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Werte und Wertung in der Wissenschaft

Würde die ETH stärker darauf setzen, die kurzfristigen Forschungsbedürfnisse der Industrie zu befriedigen, wären gerade diese integralen Ansätze gefährdet. Zudem gilt es zu bezweifeln, dass renommierte Professoren ein Interesse daran hätten, an einer Hochschule zu forschen und zu dozieren, die hauptsächlich auf das Erreichen konkreter Forschungsziele der Wirtschaft ausgerichtet ist.

Zu „Neue Ingenieure braucht das Land“, Tages-Anzeiger vom 02.03.2006.

Im Artikel von Andreas Valda wird einmal mehr als Einziges die Bedürfnisbefriedigung der Schweizer Industrie als Aufgabe der ETH erwähnt. Also die Erwartung der Schweizer Wirtschaft, von der ETH möglichst viele hoch qualifizierte Studienabgänger bereitgestellt zu bekommen. Dabei wurde völlig ausser Acht gelassen, dass zum offiziellen Leitbild der ETH eben auch gehört, die Welt mit ihren Chancen und Problemen als Ganzes zu sehen und die komplexen Zusammenhänge zu erkennen. Denn nur so schafft es eine Hochschule, neue Technologien zu entwickeln, um mit zukünftigen Potenzialen und Risiken angemessen umzugehen. Davon profitiert auch die Schweizer Wirtschaft.

Würde die ETH stärker darauf setzen, die kurzfristigen Forschungsbedürfnisse der Industrie zu befriedigen, wären gerade diese integralen Ansätze gefährdet. Zudem gilt es zu bezweifeln, dass renommierte Professoren ein Interesse daran hätten, an einer Hochschule zu forschen und zu dozieren, die hauptsächlich auf das Erreichen konkreter Forschungsziele der Wirtschaft ausgerichtet ist.

Schade, dass im TA-Artikel ausschliesslich die Wirtschaftsverbände mit dieser einen Meinung zu Wort kommen. Es gäbe genügend Stimmen, die sich gerne mit gegenteiligen Aussagen hätten zitieren lassen. Denn der kritische und innovative Charakter vieler ETH-Absolventen wird nicht zuletzt von der Wirtschaft geschätzt.